Forschung von Dieter Thomas Tietze

Ich interessiere mich für Ökologie und Evolution von zumeist eurasischen (Sing-) Vögeln als eine Untersuchung von Biodiversität in Raum und Zeit. Meine Arbeit findet auf den nachfolgenden vier Ebenen statt. Von methodischen Erfahrungen und inhaltlichen Erkenntnissen auf einer Ebene profitiere ich auf der nächsten.

Lokale Populationen

Seit 2005 betreibe ich mit einem engagierten Team ein Langzeitmonitoring von Singvogelpopulationen am Eich-Gimbsheimer Altrhein (www.ismega.de). Von bis zu 500 Individuen jährlich aus drei verschiedenen Lebensraumtypen erheben wir detaillierte morphologische und physiologische Daten. Das Projekt ermöglicht Studierenden frühzeitig die Arbeit mit freilebenden Tieren.

Artbildung

Neue Vogelarten entstehen fast ausschließlich in Allopatrie: Neben tradionellen morphologischen Methoden und bioakustischen Merkmalen dient uns die genetische Distanz als Zeitmaß, um abzuwägen, ob eine Population noch Subspezies oder schon Allospezies ist. Beispiele: Goldhähnchen-Laubsänger (siehe Abb.) und Waldbaumläufer mit Jochen Martens und Sun Yue-Hua, Tannenmeise mit Jochen Martens, Sun Yue-Hua und Martin Päckert.
Wie stark müssen sich Schwesterarten morphologisch (= ökologisch) unterscheiden, um in Sympatrie leben zu können? Beispiel: Baumläufer.
Versuche mit Klangattrappen verschiedener Populationen an einer bestimmten geben Hinweise darauf, ob die fremden Populationen noch als arteigen anerkannt werden und welche gesanglichen Unterschiede als Isolationsmechanismus wirken. Beispiele: Waldbaumläufer, Tannenmeise (s. o.), Goldammer mit Jochen Martens und Christine Waßmann.

Diversifizierung

Auf der Grundlage datierter molekularer Stammbäume versuchen wir, die evolutionäre Geschichte ganz unterschiedlicher Merkmale nachzuzeichen: Gesang, Verbreitungsgebiete, Zugverhalten, Morphologie (Körpermaße, Färbungsmuster). Beispiele: Baumläufer mit Jochen Martens, Sun Yue-Hua und Martin Päckert, Meisen (Paridae, Remizidae), Ammern (Gattung Emberiza) und Segler (Gattungen Apus und Tachymarptis) mit Martin Päckert, Karmingimpel mit Jochen Martens und Henriette Lehmann.

Aufbau regionaler Gemeinschaften

Der Himalaya stellt zusammen mit den angrenzenden südwestchinesischen Gebirgen den eurasischen Diversitätshotspot dar und bietet sich damit für Fragen über die Entstehung von Vogelartengemeinschaften an.
  • Eine vergleichende Besiedlungsgeschichte ausgewählter Artengruppen mit Martin Päckert, Jochen Martens und anderen zeigt zeitlich-räumliche Muster insbesondere der Waldsingvögel auf.
  • In einer Forschungsgruppe um Trevor D. Price und Dhananjai Mohan wägen wir historische gegen ökologische Ursachen für den Gradienten im Artenreichtum entlang des Himalaya ab. Ich korreliere dabei für 58 Singvogelgruppen die Steilheit des Diversitätsgradienten mit geographischer Herkunft und alternativen Faktoren.
© 2013-10-19 by Dieter Thomas Tietze